Das Torhaus von Schloss Ahrensburg 🏰

Wusstest du, dass an der Zufahrt zur Brücke von Schloss Ahrensburg, direkt gegenüber dem Marstall früher ein Torhaus stand? Wenn ich mir vorstelle, dass es dort noch stehen könnte, bin ich immer ein bisschen sprachlos. Es ist für mich ein absolutes Rätsel, wie man ein historisches Gebäude dieser Art einfach abreißen konnte. In diesem Beitrag habe ich ein paar Fotos und Informationen zum Torhaus zusammengetragen, so lebt es wenigstens auf dem Blog weiter.
Ein beeindruckender Bau
1847 entschied Ernst Schimmelmann, das Torhaus direkt an der Straße bauen zu lassen, und sorgte so dafür, dass das Schloss für Besucher:innen direkt noch etwas stattlicher wirkte. Ursprünglich hatte das Torhaus nur ein Stockwerk und entstand im sogenannten anglo-normannischen Stil, den man heute eher als Spätromanik kennt.
Kurz erklärt: Die Spätromanik erkennt man an massiven Mauern, Rundbögen und einer eher schweren, festungsartigen Optik. „Anglo-normannisch“ ist dabei die Variante, die sich ab dem 11. Jahrhundert in England und der Normandie entwickelte und später in der Architektur des 19. Jahrhunderts wieder auftauchte.
Das Torhaus wirkte dementsprechend auch wie eine Art Festung und war nicht ganz so elegant wie das Schloss. Es erfüllte aber ganz sicher seinen Zweck und beeindruckte Besucher:innen und Vorbeifahrende.
1892 bekam das Torhaus eine zweite Etage. Zusammen mit dem Schlossteich, der Brücke und den beiden Löwen, die heute noch den Eingang flankieren, sowie natürlich dem Schloss selbst war so ein beeindruckendes Ensemble entstanden.

Das Torhaus im Wandel der Zeit
Über die Jahrzehnte erlebte das Torhaus viele unterschiedliche Nutzungen:
Im Zweiten Weltkrieg diente es als Heim der Hitler-Jugend, bevor es zum Gefangenenlager umfunktioniert wurde. Russische und französische Kriegsgefangene mussten von dort aus 1941 den Schlossteich säubern und entschlammen.
Nach dem Krieg diente das Gebäude dann als Notunterkunft für Flüchtlinge. Die Zustände waren alles andere als schön: Noch 1956 lebten dort 31 Personen in neun Familien auf engstem Raum – und das komplett ohne Wasseranschluss.

Verfall und das Aus im Jahr 1960
Im Laufe der Jahre verwahrloste das Gebäude immer mehr. Besucher:innen empfanden den Anblick irgendwann sogar als störend. Und auch die Baupolizei hatte Bedenken: Es sei keine sichere Ausfahrt vom Schloss mehr möglich und das Torhaus stelle eine Verkehrsgefährdung dar.
Schon 1956 waren die Behörden der Meinung, dass die Reparaturkosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stünden. Der Schlossverein konnte sich eine Sanierung nicht leisten. Die Stadt selbst hielt sich aus der Angelegenheit raus. Und so beantragte der Verein schließlich den Abriss. Im Sommer 1960 verschwand das Torhaus dann endgültig. Es gibt sogar recht detaillierte Fotos vom Abriss. Die will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Hier die letzten Stunden des Torhauses als kleine Bilderreihe Schade, schade, schade …
Vielen Dank an Frau Dr. Ceynowa. Die Geschäftsführerin und Museumsleiterin der Stiftung Schloss Ahrensburg hat mir die Infos zum Torhaus zur Verfügung gestellt. So bleibt es vielleicht noch etwas länger in Erinnerung!




Hallo Nicole, kürzlich habe ich deinen blog entdeckt entdeckt und bin begeistert! Sehr gefreut habe ich mich über die Fotos vom Ahrensburger Torhaus, wenn auch mit Wehmut. Dort wurde ich im Mai 1951 geboren. Natürlich war das Haus marode und heruntergekommen, aber für uns Kinder war der Schlosspark ein Paradies! Es war einfach der schönste Spielplatz der Welt! Auch die gesamte Gegend rundherum konnten wir erkunden. Es waren viele Kinder aller Altersgruppen aus der näheren Umgebung im Schlosspark unterwegs. Der Verkehr hielt sich in Grenzen, somit war auch das kein Problem für uns Kinder. Ich habe schöne Erinnerungen an diese Zeit und könnte viel erzählen. Als wir 1960 ausziehen mussten, war ich sehr traurig. Tagelang habe ich geweint und mein Vater musste mit mir ab und zu zum Torhaus mit dem Fahrrad fahren. Der Abriss war für mich ein Albtraum. Es dauerte ziemlich lange, bis ich mich an die neue Umgebung gewöhnt hatte. Naja, alles hat seine Zeit.
Viele Grüße, Monika.
Liebe Monika! Vielen Dank, dass du deine Erinnerungen mit uns teilst. Das ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit Ahrensburgs. Ich finde es sehr traurig, dass das Torhaus abgerissen wurde und kann mir gut vorstellen, dass es für dich sehr schwer war, dieses Zuhause zu verlieren. Lebst du heute noch in Ahrensburg? Viele Grüße Nicole
Hallo Nicole, vielen Dank für deine Antwort ! Ja, ich wohne immer noch in Ahrensburg. Ich habe sehr viel über das“ alte Ahrensburg “ in Form von Büchern und alten Postkarten gesammelt. Außerdem habe ich vom Torhaus einen Druck von der Künstlerin Käte Ledig- Schön. Das Bild wurde 1946 gemalt. Schön gerahmt hängt es in meiner Wohnung.
Liebe Grüße, Monika Küntzel
Das klingt wunderbar! Vielen Dank und lieben Gruß, Nicole