Menschen in Ahrensburg: Julia Heinz

Menschen in Ahrensburg: Julia Heinz

Eine Stadt wird nur dank ihrer Bewohner zu dem, was sie ist. Es sind die Menschen, die ihr Gesicht und Persönlichkeit verleihen. Deshalb stelle ich in lockerer Reihenfolge auch immer wieder Ahrensburger vor, die etwas über ihre Sicht auf die Stadt erzählen, sie prägen, mitgestalten oder ganz einfach lieben. Bei Instagram begegnete ich vor einigen Wochen Julia Heinz. Sie lebt erst seit wenigen Monaten in Ahrensburg und freut sich sehr, hier ein neues Zuhause gefunden zu haben. Julia ist 29 Jahre jung und lebt mit ihrem Partner im Erlenhof. Sie arbeitet als Karriereberaterin bei der Bundeswehr. Ich freue mich sehr, dass Julia uns im Interview etwas über ihre Sicht auf Ahrensburg und diesen spannenden Beruf erzählt. Los geht’s!

Neu in Ahrensburg: Julia Heinz wohnt im Erlenhof

Du lebst erst seit kurzem in Ahrensburg, wo hast du vorher gelebt?

Julia Heinz: Ich habe zuletzt in Hamburg gelebt und komme ursprünglich aus Bad Oldesloe. Mein Freund arbeitet in Hamburg und ich in Lübeck, also ist Ahrensburg die perfekte Mitte.

War es schwer, eine Wohnung zu finden?

Wir hatten eigentlich gar nicht geplant so schnell nach Ahrensburg zu ziehen, da ich aber so ungeduldig bin, habe ich natürlich schon heimlich nach Wohnungen geguckt und festgestellt, dass unser Wunsch nach einer 4 Zimmer Wohnung nicht so schnell zu realisieren ist. Die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung war wirklich nicht einfach. Am Ende hatten wir einfach Glück und haben mitten im ersten Lockdown zu Mitte Mai 2020 ein Haus zur Miete gefunden.

In welchem Stadtteil lebst du, ist es dein Wunschstadtteil?

Ich wohne im Erlenhof und finde den Stadtteil wirklich zauberhaft. Als ich in Hamburg gewohnt habe, war ich längere Zeit nicht in Ahrensburg gewesen und deshalb ganz überrascht, dass da so ein Wohngebiet aus dem Boden gestampft wurde. Ein toller Stadtteil mit vielen jungen Familien.

Julia Heinz, Ahrensburg, Promenadenweg
Lieblingsplatz: Der Promenadenweg entlang der Aue

Was magst du in Ahrensburg besonders? Hast du einen Lieblingsort?

Ich empfinde Ahrensburg als schöne Kleinstadt, mitten zwischen den Großstädten Hamburg und Lübeck, aber gleichzeitig mit vielen Grünflächen und Dörfern drum herum. Daher eine tolle Stadt, um eine Familie zu gründen. Dies ist auch ein Grund warum wir hergezogen sind 🙂 Ich finde den kleinen Wald am Promenadenweg, hinterm Erlenhof toll. Als ich da Kinder auf den Bäumen am Fluss spielen sah, habe ich mich direkt in meine Kindheit versetzt gefühlt und gedacht: hier spielen Kinder noch ganz alleine im Wald und erleben Abenteuer, ohne Smartphone und ohne Eltern, die die Kinder ständig beäugen 😉

Was vermisst du in Ahrensburg?

Ein Kino wäre toll, wobei ich nicht weiß ob sich das mit der Nähe von den Großstädten halten würde. 

Karriereberatung bei der Bundeswehr

Zu deinem Beruf: Du arbeitest bei der Bundeswehr, was genau tust du dort?

Ich bin Beamtin bei der Bundeswehr und habe dafür ein Verwaltungsstudium bei der Bundeswehr absolviert. Damit gehöre ich zum zivilen Teil der Bundeswehr, trage also keine Uniform. Aktuell bin ich Büroleiterin des Karriereberatungsbüro der Bundeswehr in Lübeck. Meine Aufgabe ist dort die Bundeswehr in den Lübecker Schulen und auf Messen vorzustellen, ebenso beraten wir Interessenten über die Karrieremöglichkeiten mit und ohne Uniform bei der Bundeswehr. 

Julia Heinz aus Ahrensburg, Karriereberaterin bei der Bundeswehr
Julia Heinz arbeitet bei der Karriereberatung der Bundeswehr

Wie kam es zu dieser Berufswahl?

Beamtin wollte ich schon immer werden, da mir die Verbindung von Beruf und Familie immer wichtig war, dies ist im öffentlichen Dienst, insbesondere als Frau, einfach am besten umsetzbar.

Du warst im Auslandseinsatz in Afghanistan – wie kam es dazu?

Als Beamtin habe ich mich freiwillig entschieden mit 26 Jahren in den Auslandseinsatz zu gehen und war dann von September 2017 bis Februar 2018 für 4 ½ Monate in Mazar e-Sharif, Afghanistan. Der Ansporn für mich dorthin zu gehen war, dass ich auch die militärische Seite des Bundeswehr kennenlernen wollte. Das hat für mich jetzt den Vorteil, dass ich Interessenten nun authentisch etwas über die Bundeswehr und den Dienst im Einsatz erzählen kann. Aus rechtlichen Gründen gehen auch Zivilisten in Uniform in den Einsatz. Dafür habe ich dann eine verkürzte Grundausbildung absolviert, also alle Grundlagen des Soldaten seins, inklusive Umgang mit der Waffe zum Eigenschutz, gelernt.

Welche Aufgabe hattest du vor Ort?

Meine Aufgabe in Afghanistan war es afghanische Ortskräfte für das Camp einzustellen, z.B. Dolmetscher oder Arbeiter, diesen Lohn zu zahlen und mich um deren private und arbeitsrechtliche Probleme zu kümmern. Dabei habe ich mit ganz vielen internationalen Soldaten zusammen gearbeitet, was eine tolle neue Erfahrung war. Ebenso habe ich so die afghanische Bevölkerung besser kennen gelernt. Der Abschied von Zuhause war nicht leicht, das erste mal Weihnachten und Silvester ohne die Familie. Ich fühlte mich aber immer sicher in meiner Aufgabenerfüllung, sodass es für mich eine der tollsten beruflichen Erfahrungen war, die ich nicht mehr missen möchte.

Wie hat dich diese Zeit geprägt?

Ich traue mir mehr zu und kann stolz auf die dortige Zeit zurückblicken. Da ich mit meiner russischen Herkunft sehr familienverbunden bin, haben mir viele eine solche Abwesenheit von Zuhause nicht zugetraut, aber ich hab’s gepackt, tschakka 😉 Außerdem weiß ich das Leben hier in Deutschland, u.a. als Kind hier aufzuwachsen, nun umso mehr zu schätzen. 

Julia Heinz in Afghanistan
Julia Heinz in Afghanistan

Wie steht es um das Thema Gleichberechtigung in der Bundeswehr?

Natürlich sind Frauen in der Bundeswehr noch in der Unterzahl, dies ist aber auch der Geschichte geschuldet, dass Frauen erst seit 2001 in allen Truppengattungen der Bundeswehr dienen dürfen. Ich fühle mich als Frau genau gleich behandelt wie ein Mann und das ist gerade das tolle, denn bei der Bundeswehr erhalte ich als Frau für die gleiche Tätigkeit das gleiche Gehalt und dieselbe Anerkennung wie mein männlicher Gegenpart. Es zählt bei der Bundeswehr meine Position und wenn ich als Frau die Chefin bin und als Soldatin Befehle gebe, dann hat sich hier auch der Mann unterzuordnen. Wichtig ist, den Auftrag erfolgreich zu erledigen. Wer einem dies nun anweist, ob Frau oder Mann, ist egal.

Wie reagiert dein Umfeld auf deinen Beruf?

Die Menschen in meinem Umfeld sind sehr interessiert, wenn ich erzähle, dass ich bei der Bundeswehr bin. Ich habe aber auch bereits kritische Interviews mit der Presse geführt, die die Bundeswehr anders gesehen haben als ich. Aber auch damit kann ich umgehen, denn ein schöner Werbeslogan von uns heißt: „Wir sind auch dafür da, dass du gegen uns sein kannst“, was so viel bedeutet wie: Die SoldatInnen sind verpflichtet das Grundgesetz zu schützen und dazu zählt die Meinungsfreiheit und daher kann sich auch jeder kritisch oder auch negativ über die Bundeswehr äußern, denn das ermöglichen ja die SoldatInnen durch den Schutz des Grundgesetzes.

Welche beruflichen Ziele verfolgst du, was möchtest du erreichen?

Mein Ziel ist es, zunächst weiter in Lübeck in der Karriereberatung zu bleiben und da wir als Beamte als Allrounder ausgebildet sind, kann ich danach auch jederzeit eine andere Tätigkeit wahrnehmen. Ich möchte weiter daran arbeiten eine gute und loyale Vorgesetzte zu werden, aber das kann man nicht aus Büchern lernen, sondern durch Erfahrung.

Was wünschst du dir in Hinblick auf die Bundeswehr von der Gesellschaft?

Ich wünsche mir mehr Akzeptanz der Gesellschaft für den Beruf des Soldaten/der Soldatin. Ich denke mal viele meiner Kollegen und Kameraden wünschen sich kein Dankeschön für unsere Tätigkeiten, denn sie machen sie gerne und aus Überzeugung. Das schließt mich mit ein. Akzeptanz und ein respektvoller Umgang für unsere Staatsbürger in Uniform wären schön, denn auch hinter diesen stecken normale Menschen. Die aktuelle Covid-19-Pandemie ist gleichzeitig ein trauriges, aber tolles Beispiel dafür, wo SoldatInnen überall unterstützen, Dienst leisten und damit unerlässlich sind. U.a. haben SoldatInnen das Gesundheitsamt des Kreises Stormarn unterstützt. Ich bin super stolz auf unsere SoldatInnen und unterstütze sie daher sehr gerne als Beamtin, denn ohne SoldatInnen würde es keine Beamten geben, Punkt 😉

Perfekt für Pinterest:

Julia Heinz lebt im Erlenhof in Ahrensburg – Foto: privat
Julia Heinz lebt im Erlenhof in Ahrensburg – Foto: privat
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